Ich habe die Nachricht auf meinem Handy gesehen.
„Was möchtest Du heute Abend machen?“
Mein erster Gedanke war: Bitte frag mich heute gar nichts mehr.
Ein Kunde hatte eine Entscheidung gebraucht, eine Kollegin eine schnelle Antwort. Dazwischen hatte meine Tochter geschrieben. Und ich wusste immer noch nicht, was wir abends essen sollten.
Eigentlich konnte er nichts dafür. Er hatte mich etwas ganz Normales gefragt. Ich habe das Handy trotzdem erst einmal weggelegt.
Ein paar Minuten später habe ich zurückgeschrieben:
„Entscheide Du.“
Kurz danach kamen drei Vorschläge. Ich musste lachen. Er hatte sich Gedanken gemacht, und jetzt saß ich da und wollte keinen davon aussuchen.
So hatte ich das nicht gemeint. Ich wollte einfach hören: Das machen wir.
Der Gedanke hat mich länger beschäftigt als die Frage nach unserem Abend. Denn beim Sex stelle ich mir manchmal etwas Ähnliches vor. Nur geht es dann nicht darum, dass ich meine Ruhe haben möchte.
Da macht es mich an, wenn er entscheidet.
Dabei sage ich sonst ziemlich genau, was ich will
Wenn mir etwas nicht passt, sage ich es. Manchmal schon, bevor der andere fertig gesprochen hat. Dass ein Mann ungefragt für mich entscheidet, finde ich normalerweise eher anstrengend.
In meiner Fantasie steht er vor mir und sagt:
„Komm her.“
Und ich gehe zu ihm. Ohne erst zu fragen, was er vorhat.
Ich habe den Satz gerade noch einmal gelesen. Offenbar reicht bei mir manchmal schon das.
Mit „Kontrollverlust“ habe ich lange etwas verbunden, das ich auf keinen Fall möchte. Bei dieser Vorstellung suche ich mir aber selbst aus, wem ich die Führung überlasse. Ich will zu ihm. Ich bin neugierig, was er als Nächstes macht.
Und ich möchte es ausnahmsweise nicht vorher planen.

„Sag mir einfach, was ich tun soll.“
Den Satz laut auszusprechen würde mich wahrscheinlich Überwindung kosten. Ich hätte sofort das Bedürfnis, hinterherzulachen, damit es nicht ganz so ernst klingt.
Dabei meine ich ihn in meiner Fantasie genau so.
Ich möchte nicht überlegen, ob ich jetzt den ersten Schritt mache. Oder schon darüber nachdenken, wie es danach weitergeht. Ich möchte mich einmal darauf verlassen, dass er eine Idee hat.
Dafür müsste ich ihm auch sagen können, was ich nicht möchte. Und wissen, dass er sofort aufhört, wenn ich es sage. Ohne Diskussion oder schlechte Stimmung hinterher.
Dann könnte ich auch sagen: Heute übernimmst Du.
Vielleicht würde ich dabei trotzdem lachen. Ich kenne mich.
Ich muss auch nicht alles ausprobieren, was mich erregt. Das wäre bei einigen Dingen in meinem Kopf sowieso keine besonders gute Idee. Manches gefällt mir als Vorstellung. Ob ich es wirklich erleben möchte, weiß ich noch gar nicht.
Manchmal reicht mir die Vorstellung seiner Stimme
Später im Bett habe ich das Handy auf den Nachttisch gelegt. Ich wollte nichts mehr beantworten und auch nicht noch einmal nachsehen, ob jemand geschrieben hatte.
Stattdessen habe ich wieder an „Komm her“ gedacht. Daran, wie er es sagen könnte. Ganz normal, ohne irgendeine aufgesetzte Stimme. So, dass ich ihm abnehme, dass er mich bei sich haben will.
Ich habe mir vorgestellt, wie ich vor ihm stehe und ihn ansehe. Diesmal fällt mir keine schnelle Antwort ein. Ich warte einfach, was er sagt.
Dann stelle ich mir noch einen Satz vor:
„Schließ die Augen.“
Ich liege allein in meinem Bett und muss ein bisschen über mich grinsen.
Dann mache ich die Augen zu.
Nicht weil ich muss. Weil ich es will.
— Clara