Ich habe ihm geschrieben:
„Wann sehen wir uns?“
Seine Antwort kam ein paar Minuten später.
„Freitag. 20 Uhr. Ich hole Dich ab.“
Ich habe die Nachricht noch einmal gelesen.
Stehe ich also auf dominante Männer? Bei dieser Nachricht musste ich zumindest grinsen.
Kein „Hast Du eine Idee?“. Kein „Wir können ja mal schauen“. Ich musste ihm nicht erst drei Möglichkeiten schicken, damit er eine davon ganz gut findet.
Freitag. 20 Uhr. Ich hole Dich ab.
Ich fand das ziemlich gut.
Wenn mir Freitag nicht gepasst hätte, hätte ich es gesagt. Aber es passte.
Also habe ich nur geschrieben:
„Gut.“
Meine Antwort hat deutlich gelassener geklungen, als ich gerade war.
Dominante Männer – aber keiner, der mir alles vorschreibt
Bei „dominanter Mann“ habe ich lange an jemanden gedacht, mit dem ich mich ständig streiten müsste.
Darüber, was ich anziehe. Mit wem ich mich treffe. Oder warum er angeblich besser weiß, was gut für mich ist.
Nein danke.
Ich möchte auch nicht bei jedem Widerspruch herausfinden müssen, ob sein Selbstbewusstsein das jetzt aushält.
Aber diese Nachricht habe ich gern gelesen.
Er wollte mich sehen. Er hat einen Zeitpunkt genannt. Er wollte mich abholen.
Ich musste ihm nichts aus der Nase ziehen.
Ich möchte nicht immer den ersten Schritt machen
Ich habe kein Problem damit, einem Mann zuerst zu schreiben. Habe ich hier schließlich auch gemacht.
Aber ich kenne diese Gespräche, bei denen ich irgendwann nach oben scrolle und merke: Jede Frage kommt von mir.
Wollen wir uns sehen? Passt Dir Freitag? Essen gehen? Soll ich etwas reservieren?
Er antwortet freundlich. Er findet alles gut.
Und trotzdem weiß ich irgendwann nicht mehr, ob er mich unbedingt sehen möchte oder einfach nichts gegen meinen Vorschlag hat.
Ich will merken, dass er auch etwas dafür tut.
Dass er selbst auf die Idee kommt, einen Tisch zu reservieren. Dass er mir sagt, wann er Zeit hat. Dass nicht alles liegen bleibt, sobald ich aufhöre, mich darum zu kümmern.
Ich kann ein Treffen organisieren. Ich möchte nur nicht hinterher das Gefühl haben, ich hätte ihn dazu überredet.
„Sei um acht fertig.“
So einen Satz mag ich.
Vor allem, wenn er dann tatsächlich um acht vor der Tür steht. Nicht eine Viertelstunde später schreibt, dass er gleich losfährt, und mich fragt, wo wir eigentlich hinwollen.
Er hat sich etwas überlegt. Ich kann mich darauf freuen.
Natürlich möchte ich manchmal selbst das Restaurant aussuchen. Oder lieber zu Hause bleiben. Ich finde es auch nicht plötzlich unattraktiv, wenn ein Mann mich fragt, worauf ich Lust habe.
Aber an diesem Abend wollte ich keine Vorschläge sammeln.
Ich wollte mich fertig machen und wissen: Er kommt.
Schon beim Lesen seiner Nachricht habe ich überlegt, was ich anziehen könnte.
So viel zum Thema, ich möchte nichts mehr entscheiden.

Beim Sex merke ich es noch deutlicher
Da möchte ich auch nicht immer diejenige sein, die anfängt.
Manchmal möchte ich ihn ansehen und merken, dass er längst näher kommen will. Dass ich nicht erst seine Hand nehmen und zu mir ziehen muss.
Ich stelle mir vor, wie er vor mir stehen bleibt. Seine Hand an meiner Hüfte. Ich greife nach seinem Hemd und ziehe ihn ein Stück näher.
Dann küsst er mich.
Nicht erst, nachdem ich gefragt habe, ob er mich eigentlich noch küssen möchte.
Ich will mich dabei auch nicht zurücklehnen und gar nichts mehr beitragen. Ich möchte ihn anfassen, ihn zu mir ziehen, ihm zeigen, dass mir gefällt, was er macht.
Ich möchte nur nicht jeden nächsten Schritt anfangen müssen.
Und manchmal möchte ich ihm genau das sagen:
„Heute bist Du dran.“
Das auszusprechen würde mich wahrscheinlich mehr Überwindung kosten als die Frage nach unserem Treffen.
Weil er dann ziemlich genau wüsste, was ich gerade von ihm möchte.
Manchmal möchte ich hören: „Komm her.“
Ich stelle mir vor, dass er das sagt, während ich noch ein Stück von ihm entfernt stehe.
Ich würde ihn wahrscheinlich erst einmal ansehen. Vielleicht grinsen. Und dann zu ihm gehen.
Nicht bei jedem Mann. Und auch nicht in jeder Stimmung. Bei einem, mit dem ich vorher schon um jede Kleinigkeit diskutieren musste, hätte ich darauf überhaupt keine Lust.
Ich muss ihm sagen können, wenn ich etwas nicht möchte. Und mich darauf verlassen, dass er dann aufhört – ohne dass ich mich anschließend um seine gekränkte Stimmung kümmern muss.
Wenn ich das weiß, möchte ich aber auch neugierig sein dürfen.
Auf seine Hände. Darauf, wie er mich ansieht, wenn ich direkt vor ihm stehe. Auf das, was ihm einfällt, ohne dass ich es ihm vorher vorschlage.
Dann möchte ich tatsächlich manchmal hören:
„Lass mich.“
Und denken: Ja. Bitte.
Freitag. 20 Uhr.
Am Freitag hat es tatsächlich um acht geklingelt.
Ich war fertig. Natürlich hatte ich trotzdem eine Frage.
„Wo fahren wir hin?“
Er hat mich angesehen.
„Das erfährst Du gleich.“
Normalerweise hasse ich solche Antworten. An diesem Abend nicht.
Ich habe meine Jacke genommen und bin mitgegangen.
Ich musste nicht mit.
Ich wollte.
— Clara
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