Ich weiß noch genau, was ich gedacht habe, als ich das erste Mal das Wort Audioporn gelesen habe.
„Was ist das denn bitte?“
Damals saß ich abends auf dem Sofa und hatte eigentlich gar nichts Besonderes vor.
Mein Mann war noch unterwegs. Im Fernsehen lief irgendetwas, das mich nicht wirklich interessierte.
Ich hatte mein Handy in der Hand und scrollte einfach so durch Instagram.
Dann stand da dieses Wort.
Audioporn.
Ich musste lachen.
„Also bitte.“
Ich habe mir das noch mal durchgelesen.
Audioporn.
Ich fand das Wort irgendwie unanständig.
Nicht das Thema.
Das Wort.
Es klang nach etwas, das ich mir garantiert nicht anhören würde.
Und natürlich habe ich genau deshalb draufgeklickt.
Ich hatte mit einem Video gerechnet.
Irgendwas, das ich mir erst einmal anschauen müsste.
Aber da war kein Video.
Nur Audio.
Eine Stimme.
Ich saß da und dachte:
Das soll jetzt Porn sein?
Ich setzte meine Kopfhörer auf.
Nur aus Neugier.
Ich wollte wissen, was das ist.
Mehr nicht.
Am Anfang fand ich es sogar ein bisschen komisch.
Da war einfach diese Stimme in meinem Ohr.
Ich saß auf meinem Sofa.
Mit einer Tasse Tee auf dem Tisch.
Meine Füße unter einer Decke.
Und irgendwo neben mir lag noch die Fernbedienung.
Ganz normaler Abend.
Ich hätte jederzeit ausmachen können.
Und genau das habe ich mir auch eingeredet.
Hör mal kurz rein und dann machst du es wieder aus.
Das habe ich aber nicht gemacht.
Ich blieb.
Ich weiß nicht genau, wann es passiert ist.
Irgendwann habe ich aufgehört, darüber nachzudenken, ob ich das gerade wirklich höre.
Ich habe einfach zugehört.
Die Stimme war ruhig.
Nicht dieses übertriebene Gerede, das man aus manchen Pornos kennt.
Es war eher so, als würde jemand direkt mit mir sprechen.
Und plötzlich hatte ich ein Bild im Kopf.
Nicht weil ich etwas gesehen habe.
Ich habe mir selbst etwas vorgestellt.
Einen Mann.
Einen Raum.
Seine Nähe.
Ich wusste nicht einmal, wie er genau aussieht.
Aber in meinem Kopf war er plötzlich da.
Und das hat mich ehrlich gesagt ziemlich überrascht.
Ich nahm irgendwann einen Kopfhörer heraus.
Sah auf den Fernseher.
Dann auf mein Handy.
Und musste lachen.
„Was mache ich hier eigentlich?“
Ich war allein.
Niemand wusste, was ich gerade gehört hatte.
Und trotzdem hatte ich dieses Gefühl, als hätte mich jemand erwischt.
Obwohl überhaupt niemand da war.
Am nächsten Morgen war das Ganze für mich eigentlich erledigt.
Dachte ich.
Ich machte Frühstück.
Räumte die Küche auf.
Ging zur Arbeit.
Alles normal.
Bis ich irgendwann im Auto saß und plötzlich wieder an diese Stimme dachte.
Nicht an die ganze Geschichte.
Nur an die Stimme.
An eine bestimmte Stelle.
Ich musste sogar kurz grinsen.
Und dachte:
Okay. Das ist jetzt irgendwie blöd.
Ein paar Tage später war ich wieder allein zu Hause.
Ich hatte eigentlich noch einiges zu erledigen.
Wäsche.
Einkaufen.
Die Küche sah auch nicht gerade toll aus.
Aber ich hatte keine Lust.
Ich machte mir einen Kaffee und setzte mich aufs Sofa.
Dann sah ich meine Kopfhörer auf dem Tisch.
Und wusste sofort, woran ich dachte.
Ich habe eine Weile einfach nur dagessen.
Dann nahm ich sie.
Diesmal war es anders.
Beim ersten Mal wollte ich wissen, was Audioporn überhaupt ist.
Jetzt wollte ich es wieder hören.
Und das war der Punkt, an dem ich mir eingestehen musste:
Okay. Ich mag das.
Ich mochte nicht unbedingt das Wort.
Aber ich mochte dieses Gefühl.
Die Stimme.
Die Nähe.
Und vor allem, dass ich selbst entscheiden konnte, was ich daraus machte.
Bei einem Film wird Dir alles gezeigt.
Du siehst den Mann.
Du siehst die Frau.
Du siehst den Raum.
Du bekommst eigentlich alles geliefert.
Bei Audio ist das anders.
Da hörst Du etwas.
Und den Rest machst Du selbst.
Ich konnte mir den Mann anders vorstellen als jemand anderes.
Ich konnte mir den Raum vorstellen, wie ich wollte.
Ich konnte sogar die ganze Situation in meinem Kopf verändern.
Und irgendwann habe ich gemerkt, dass genau das für mich der Reiz war.
Ich hatte immer gedacht, dass Pornografie etwas ist, das man anschaut.
Und dass man sich dabei eher zurücklehnt und zusieht.
Bei Audio hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich selbst mitten in der Geschichte bin.
Das hat mich überrascht.
Sehr sogar.
Denn eigentlich war da gar nicht viel.
Nur eine Stimme.
Und trotzdem war in meinem Kopf plötzlich ziemlich viel los.
Einmal habe ich abends im Bett gehört.
Mein Mann lag neben mir und schlief schon.
Ich hatte nur einen Kopfhörer im Ohr.
Ich lag auf der Seite und sah ins Dunkel.
Neben mir hörte ich seinen Atem.
Und gleichzeitig war da diese andere Stimme.
Ich musste irgendwann den Kopfhörer herausnehmen.
Nicht weil es mir unangenehm war.
Sondern weil ich plötzlich dachte:
„Wow.“
Ich hätte nie gedacht, dass das so nah wirken kann.
Am nächsten Tag habe ich einer Freundin davon erzählt.
Nicht alles.
Nur, dass ich Audioporn ausprobiert hatte.
Sie sah mich an.
„Du?“
„Ja, ich.“
„Und?“
Ich musste lachen.
„Ich glaube, ich finde es gut.“
Sie grinste.
„Na also.“
„Ich finde nur das Wort schrecklich.“
„Audioporn?“
„Ja.“
„Warum?“
Ich überlegte kurz.
„Keine Ahnung. Es klingt so unanständig.“
Sie lachte.
„Vielleicht ist genau das der Grund, warum Du es magst.“
„Halt die Klappe.“
Wir mussten beide lachen.
Später habe ich noch einmal darüber nachgedacht.
Warum hatte ich mich eigentlich so dagegen gewehrt?
Ich bin erwachsen.
Ich kenne meinen Körper.
Ich weiß, was mir gefällt.
Ich weiß auch ziemlich genau, was mir nicht gefällt.
Warum also dieses schlechte Gefühl?
Vielleicht lag es gar nicht am Audio.
Vielleicht lag es einfach daran, dass ich mir lange nicht erlaubt hatte, meine eigene Fantasie wichtig zu nehmen.
Ich war so lange mit allem Möglichen beschäftigt.
Arbeit.
Familie.
Termine.
Einkaufen.
Wäsche.
Was eben so anfällt.

Und irgendwann hatte ich aufgehört, mich zu fragen:
Was macht eigentlich mir Spaß?
Das ist das Verrückte daran.
Ich habe durch Audioporn nicht plötzlich eine andere Sexualität bekommen.
Ich bin nicht plötzlich jemand anderes geworden.
Ich habe einfach wieder gemerkt, dass da etwas in mir ist.
Neugier.
Lust.
Fantasie.
Und dass das alles noch da war.
Ich hatte es nur ziemlich lange nicht beachtet.
Heute finde ich das Wort immer noch ein bisschen albern.
Audioporn.
Aber wenn ich es irgendwo lese, muss ich nicht mehr lachen und wegscrollen.
Ich werde neugierig.
Denn ich weiß inzwischen, was eine Stimme mit meiner Fantasie machen kann.
Und ich weiß auch:
Ich muss nichts sehen.
Ich muss nichts ausprobieren.
Ich muss niemandem davon erzählen.
Ich kann einfach meine Kopfhörer aufsetzen und für eine Weile in eine andere Welt gehen.
Eine Welt, die in meinem Kopf entsteht.
Und die nur mir gehört.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich Audio inzwischen sogar lieber mag als Bilder.
Bei einem Bild sehe ich, was jemand anderes sich vorgestellt hat.
Bei einer Stimme kann ich mir selbst vorstellen, was passiert.
Und plötzlich ist die Fantasie nicht mehr die von jemand anderem.
Sie gehört mir.
Und wenn das unanständig ist?
Dann ist es eben so.
Ich glaube, ich kann damit leben.
Du hörst keine Fantasie.
Du erlebst sie.