Clara gibt es nicht nur einmal. Der Name ist fiktiv und steht in unseren Geschichten für unterschiedliche Frauen, die anonym mit uns teilen, was sie denken, fühlen, fantasieren und erleben. Zum Schutz ihrer Privatsphäre wurden persönliche Details verändert.
Clara hatte nie darüber gesprochen.
Nicht mit ihren Freundinnen.
Nicht mit ihrem Mann.
Und ehrlich gesagt nicht einmal richtig mit sich selbst.
Es war nur dieser eine Gedanke.
Manchmal kam er beim Einschlafen.
Manchmal unter der Dusche.
Und manchmal völlig unerwartet.
Ein Dreier.
Allein das Wort fühlte sich in ihrem Kopf anders an.
Ein bisschen verboten.
Ein bisschen aufregend.
Und vor allem so, als würde es nicht zu der Frau passen, die sie sonst war.
Clara war schließlich vernünftig.
Sie hatte ihr Leben im Griff.
Sie war seit zwölf Jahren verheiratet.
Sie liebte ihren Mann.
Es gab keinen großen Streit. Keine Krise. Keinen anderen Mann.
Nichts, das sie hätte erklären können.
Und trotzdem war diese Fantasie da.
An diesem Abend waren sie in einem kleinen Restaurant.
Sie saßen an einem Tisch am Fenster.
Neben ihnen ein anderes Paar.
Clara hatte die Frau zuerst gar nicht bewusst wahrgenommen.
Dann fiel ihr auf, wie sie lachte.
Nicht besonders laut.
Sie legte dabei den Kopf leicht zurück und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Clara sah kurz hin.
Dann wieder auf ihren Teller.
Ein paar Minuten später schaute sie erneut.
Diesmal trafen sich ihre Blicke.
Nur für einen Augenblick.
Die Frau lächelte.
Clara lächelte zurück.
Sie nahm ihr Weinglas.
Und da war er wieder.
Dieser Gedanke.
Wie wäre das eigentlich?
Clara schaute zu ihrem Mann.
Er erzählte gerade irgendetwas über seinen Tag.
Sie hörte zu.
Zumindest versuchte sie es.
Dann wanderte ihr Blick wieder zum anderen Tisch.
Der Mann dort sagte etwas zu seiner Partnerin.
Sie beugte sich zu ihm.
Er legte kurz seine Hand auf ihren Arm.
Clara spürte dieses eigenartige Kribbeln.
Sie stellte ihr Glas ab.
„Alles gut?“, fragte ihr Mann.
„Ja.“
„Du bist so still.“
Clara lächelte.
„Ich denke nur gerade nach.“
Er grinste.
„Das ist gefährlich.“
Sie musste lachen.
„Sehr.“
Auf dem Heimweg sagte sie lange nichts.
Im Auto lief Musik.
Die Straßenlaternen zogen über die Windschutzscheibe.
Ihr Mann fuhr.
Clara schaute aus dem Fenster.
Dann sagte sie:
„Darf ich dich etwas fragen?“
„Natürlich.“
Sie zögerte.
„Hast du schon mal über einen Dreier nachgedacht?“
Er nahm den Fuß ein wenig vom Gas.
Nicht abrupt.
Aber Clara bemerkte es.
„Wo kommt das jetzt her?“
Sie sah weiter aus dem Fenster.
„Keine Ahnung.“
Das war gelogen.
Sie wusste genau, woher es kam.
„Einfach so.“
Er schwieg einen Moment. War ganz still.
Dann fragte er:
„Und du?“
Clara sah ihn an.
Da war diese kleine Sekunde, in der sie noch hätte zurückrudern können.
Sie hätte lachen können.
War ja nur eine Frage.
Sie hätte das Thema wechseln können.
Tat sie aber nicht.
„Ja“, sagte sie.
Ganz leise.
„Ich schon.“
Später im Bett lag Clara auf dem Rücken.
Ihr Mann hat schon geschlafen.
Sie schaute zur Decke.
Sie hatte es ausgesprochen.
Zum ersten Mal.
Und jetzt war die Fantasie plötzlich nicht mehr nur ihre geheime Vorstellung.
Sondern sie hatte eine Stimme bekommen.
Einen Platz zwischen ihnen.
Clara drehte sich auf die Seite.
Ihr Mann bewegte sich im Schlaf.
Sie legte eine Hand auf seine Schulter.
Und dachte wieder an das Restaurant.
An die Frau.
An ihren Blick.
An den Mann.
An dieses merkwürdige Gefühl, beide gleichzeitig wahrzunehmen.
Und plötzlich merkte sie:
Es war gar nicht nur die Vorstellung von zwei Menschen.
Es war das Gefühl, im Mittelpunkt zu stehen.
Begehrt zu werden.
Zu spüren, dass zwei Blicke auf ihr liegen.
Und gleichzeitig ihren eigenen Mann aus einer völlig anderen Perspektive zu erleben.
Clara schloss die Augen.
Die Szene in ihrem Kopf wurde klarer.
Sie stellte sich nicht mehr nur die Frage, ob.
Sie stellte sich vor, wie es sich anfühlen würde.
Und genau das machte sie nervös.
Und neugierig.
Was sagt eine Dreier-Fantasie über Dich aus?
Nicht besonders viel.
Eine Fantasie ist zunächst einmal eine Fantasie.
Sie sagt nicht automatisch etwas darüber aus, wer Du bist.
Du musst Deine Beziehung nicht infrage stellen.
Du musst Deine Sexualität nicht neu definieren.
Und Du musst schon gar nichts tun, nur weil Dein Kopf eine bestimmte Szene interessant findet.
Aber Du darfst neugierig sein.
Du darfst Dich fragen, was genau Dich daran berührt.
Die Vorstellung, von zwei Menschen begehrt zu werden?
Die Spannung zwischen drei Menschen?
Die Aufmerksamkeit?
Das Verbotene?
Die Vorstellung, Deinen Partner mit jemand anderem zu sehen?
Oder einfach die Tatsache, dass Du in Deiner Fantasie etwas erleben kannst, das im Alltag keinen Platz hat?
Du musst darauf nicht sofort eine Antwort finden.
Du darfst die Fantasie einfach erst einmal erleben.
Clara lag noch immer neben ihrem Mann.
Im Schlafzimmer war es dunkel.
Sie öffnete die Augen.
Sie wusste nicht, ob sie diese Fantasie jemals im echten Leben erleben würde.
Aber zum ersten Mal wollte sie sie auch nicht mehr wegschieben.
Sie wollte herausfinden, wie sie sich anfühlt.
Ganz ohne Entscheidung.
Ganz ohne Konsequenz.
Nur für sich.
Denn der erste Schritt muss nicht im echten Leben stattfinden.
Er kann in Deinem Kopf beginnen.
Und genau dort setzt Sir Stephen an.
Nicht bei der Frage, was Du tun solltest.
Sondern bei der Frage:
Was möchtest Du erleben?
Du hörst keine Fantasie.
Du erlebst sie.