Abends im Bett wird erstaunlich viel besprochen.
Wer morgen einkaufen geht.
Was mit den Kindern ist.
Ob die Rechnung schon bezahlt wurde.
Was am Wochenende ansteht.
Wer heute im Büro genervt hat.
Und irgendwann liegt das Handy auf dem Nachttisch, das Licht geht aus und einer sagt:
„Gute Nacht.“
Eigentlich ein ganz normaler Abend.
Nur über eine Sache wurde wieder nicht gesprochen.
Darüber, was Du gerade gerne fühlen würdest.
Wann hast Du zuletzt im Bett gesagt, was Du wirklich willst?
Nicht:
„Komm ein bisschen näher.“
Nicht:
„Machst Du noch das Licht aus?“
Sondern etwas, bei dem Du kurz überlegen würdest, ob Du es wirklich sagen kannst.
Vielleicht gibt es eine Fantasie, die schon länger in Deinem Kopf auftaucht.
Vielleicht möchtest Du, dass jemand einmal ganz anders mit Dir umgeht.
Vielleicht vermisst Du dieses Gefühl, dass ein Mann Dich nicht nur liebt, sondern Dich wirklich begehrt.
Oder Du kannst gar nicht genau sagen, was Dir fehlt.
Du weißt nur, dass zwischen „Gute Nacht“ und Einschlafen inzwischen ziemlich wenig passiert, das Dich noch überrascht.
Das Interessante daran ist:
Über Sex zu sprechen klingt eigentlich einfach.
Ist es aber oft nicht.
Warum fällt es so schwer, über Fantasien zu sprechen?
Weil eine Fantasie etwas anderes ist als die Frage, was es morgen zum Abendessen gibt.
Du zeigst etwas von Dir.
Und sofort kommen diese kleinen Gedanken.
Was denkt er dann über mich?
Findet er das komisch?
Was, wenn er es persönlich nimmt?
Was, wenn er glaubt, dass mir unser Sex nicht reicht?
Und deshalb bleiben viele Dinge im Kopf.
Dort sind sie sicher.
Niemand bewertet sie.
Niemand versteht sie falsch.
Aber niemand kann sie dort mit Dir teilen.
Eine Fantasie ist noch keine Bestellung
Das wird beim Bettgeflüster schnell vergessen.
Wenn Du von etwas fantasierst, bedeutet das nicht automatisch, dass Du es morgen erleben möchtest.
Vielleicht reizt Dich eine Situation gerade deshalb, weil sie nur in Deinem Kopf stattfindet.
Vielleicht möchtest Du mit einer Vorstellung spielen.
Vielleicht willst Du herausfinden, wie sie sich anfühlt.
Und vielleicht stellst Du nach drei Minuten fest:
Nein. In meinem Kopf war das besser.
Auch das ist völlig in Ordnung.
Fantasien müssen nicht vernünftig sein.
Und sie müssen keinen Plan ergeben.
Sie dürfen einfach etwas in Dir auslösen.
Genau hier würde ich Dir eine Frage stellen
Stell Dir vor, wir würden uns heute Abend unterhalten.
Kein Interview.
Keine Liste mit Deinen sexuellen Vorlieben.
Wir sitzen einfach da.
Vielleicht mit einem Glas Wein.
Und irgendwann frage ich Dich:
„Gibt es etwas, woran Du manchmal denkst, das Du noch nie jemandem erzählt hast?“
Was wäre Dein erster Gedanke?
Nicht die Antwort, die Du mir geben würdest.
Der Gedanke davor.
Genau der interessiert mich.
Denn dort beginnen die interessanten Gespräche.
Vielleicht fehlt Dir gar nicht mehr Sex
Vielleicht fehlt Dir etwas anderes.
Neugier.
Spannung.
Das Gefühl, dass jemand wissen möchte, was in Deinem Kopf passiert.
Nicht nur, was Du heute erledigt hast.
Wann Du morgen aufstehen musst.
Oder ob Du müde bist.
Sondern was Dich reizt.
Was Dich nervös macht.
Was Du Dich bisher nicht getraut hast auszusprechen.
Und was passieren würde, wenn Du es doch einmal tust.
Bettgeflüster mit Sir Stephen
Deshalb möchte ich hier künftig über genau diese Dinge sprechen.
Über Fantasien.
Über Wünsche, die man nicht sofort einordnen kann.
Über Beziehungen.
Über Lust.
Über die Dinge, die Frauen heimlich suchen.
Und auch über diese merkwürdigen Gedanken, bei denen man sich selbst fragt:
Warum finde ich ausgerechnet das erregend?
Nicht als Ratgeber, der Dir erklärt, wie Du zu fühlen hast.
Ich würde lieber die Fragen stellen, über die man normalerweise nicht beim Frühstück spricht.
Heute ist es nur eine:
Was würdest Du im Bett gerne einmal sagen, wenn Du sicher wüsstest, dass Dich niemand dafür bewertet?